Ein Speedrun ist das Durchspielen eines Videospiels oder eines einzelnen Abschnitts in möglichst kurzer Zeit. Damit Zeiten vergleichbar sind, legt eine Kategorie fest, was erledigt werden muss und wie die Zeit gemessen wird; als Nachweis dient meist ein Video, das Moderatoren der Bestenliste prüfen.
Any% bedeutet, ein Spiel so schnell wie möglich zu beenden, ohne Vorgabe, wie viel vom Spiel dabei abgeschlossen wird.
Speedruns machen Spaß, weil sie sofort zeigen, ob du besser geworden bist: Statt Punkten zählt die Zeit, und jede Verbesserung ist auf der Uhr sichtbar. Der stärkste Gegner bist dabei oft du selbst. Beim Highscore soll die Zahl steigen, beim Speedrun soll die Zeit sinken. Wie Punkte-Bestenlisten funktionieren, erklärt der Artikel Was ist ein Highscore?.
Probier es selbst: dein erster Mini-Lauf
Plane für den Anfang etwa 20 bis 30 Minuten ein; es darf auch länger dauern. Du brauchst ein Spiel, das du ohnehin spielst, eine Stoppuhr oder einen Timer und etwas zum Notieren. Vorwissen ist nicht nötig. Der Mini-Lauf ist ausdrücklich kein offizieller Speedrun einer Bestenliste (so heißt die Rangliste der schnellsten Läufe eines Spiels), sondern ein Vorschlag, die Grundidee auszuprobieren. Die Fachbegriffe kommen danach: erst machen, dann benennen.
- 1. Nimm ein Spiel, das du gut kennst. Egal welches, Hauptsache, du weißt, wie es sich steuert.
- 2. Wähle einen kurzen Abschnitt. Er sollte ein bis drei Minuten dauern und einen klaren Start und ein klares Ziel haben, zum Beispiel einen Level, eine Strecke oder eine Aufgabe.
- 3. Lege deine Mini-Regel fest. Wo geht es los, was ist das Ziel? Die Zeit läuft durch, bis du es erreichst. Wenn du es einfach halten willst, spiele ganz normal, ohne Zusatzregeln.
- 4. Starte eine Stoppuhr oder einen Timer, wenn du losspielst, und stoppe am Ziel. Es zählt jede Uhr, die die vergangene Zeit anzeigt: Handy, Armbanduhr, Küchenwecker mit Stoppfunktion oder was du zur Hand hast. Ein zweites Handy brauchst du nicht; spielst du am Handy, nimm eine andere Uhr. Von Hand gestoppte Zeiten sind nicht millisekundengenau; für den Vergleich mit dir selbst reicht das, wenn du bei jedem Versuch gleich stoppst.
- 5. Spiele mehrere Versuche und notiere jede Zeit. Drei bis fünf genügen für den Anfang, ein Zettel oder eine Notiz-App reicht. Deine schnellste Zeit ist deine persönliche Bestzeit.
- 6. Optional: Notiere eine Zwischenzeit nach der Hälfte des Abschnitts. Vergleiche danach: Wo warst du in deinem besten Versuch schneller als in den anderen?
- 7. Ein Versuch misslingt? Brich ab und starte neu. Das ist normal, und es spart Zeit, weil mehr Versuche in eine Sitzung passen.
- Optional: Nimm den Lauf auf, wenn dein Gerät (Konsole oder PC) eine Aufnahmefunktion mitbringt. Nötig ist das nicht, und du brauchst dafür kein zweites Handy und keine Zusatzsoftware. Auch Speedrunner zeichnen ihre Läufe auf, damit andere die Zeit nachprüfen können. Spielst du am Handy oder möchtest du nicht aufnehmen, lass den Schritt weg.
Nach ein paar Versuchen siehst du, ob sich deine Zeiten verändern.
Das hast du gerade gemacht
Aus deinen Alltagsworten werden jetzt die Begriffe der Szene:
- Deine Mini-Regel war eine Kategorie, also ein Regelsatz, der festlegt, was erledigt werden muss.
- Die Stoppuhr hat Echtzeit gemessen, in der Szene RTA genannt.
- Deine schnellste Zeit ist eine PB (Personal Best), eine persönliche Bestzeit.
- Die Zwischenzeit war ein Split.
- Der Neustart nach einem misslungenen Versuch war ein Reset.
Die nächsten Abschnitte erklären jeden Begriff genauer.
Was ist eine Kategorie?
Stell dir vor, zwei Freunde messen, wer schneller durch denselben Level kommt. Eine Person sammelt unterwegs alles ein, die andere rennt direkt zum Ziel. Ein fairer Vergleich ist das nicht. Deshalb gibt es Kategorien: Eine Kategorie beschreibt, welches Ziel ein Lauf erreichen muss und welche Einschränkungen dabei gelten. Deine Mini-Regel von eben war eine.
Vier Kategorien begegnen dir besonders häufig:
- Any%: Any% bedeutet: so schnell wie möglich ins Ziel, egal, wie viel vom Spiel dabei abgeschlossen wird. Lässt sich ein Teil der Level überspringen, darf ein Any%-Lauf das tun, solange die Regeln es zulassen.
- 100 %: Ein 100-%-Lauf verlangt, das Spiel vollständig abzuschließen, etwa alle versteckten Extras zu finden. In einem Jump'n'Run mit Sammelobjekten in jedem Level stoppt die Zeit erst, wenn alle gefunden sind und das Spiel beendet ist.
- Glitchless: Ein Glitchless-Lauf verzichtet auf Glitches, also Programmfehler im Spiel. Ein Fehler, mit dem die Spielfigur durch eine Wand gleiten kann, wäre in Any% meist erlaubt, in Glitchless nicht.
- Low%: Low% ist das Gegenstück zu 100 %: Das Spiel wird beendet, während nur das absolute Minimum an Spielfortschritt erledigt wird. Beispiel: ein Lauf, der optionale Ausrüstungs-Upgrades auslässt, obwohl sie den Weg leichter machen würden.
Was eine Kategorie genau verlangt, steht in den Regeln der jeweiligen Bestenliste, für jedes Spiel einzeln. Daneben gibt es Varianten wie „No Major Glitches“, bei der nur besonders weitreichende Fehler verboten sind.
Welche Uhr zählt? Die Zeitmessung
Deine Stoppuhr ist nur eine von drei Uhren, die bei Speedruns zählen können. Die große Bestenlisten-Plattform speedrun.com führt sie als getrennte Werte:
- RTA (Real Time, Echtzeit): Die Echtzeit ist die tatsächlich vergangene Zeit des Laufs, so wie eine Stoppuhr daneben sie anzeigen würde, Ladezeiten (die Wartezeit, in der das Spiel etwas lädt) eingeschlossen. Deine Stoppuhr hat Echtzeit gemessen.
- IGT (In-Game Time, Spielzeit): Die Spielzeit ist die Zeit, die das Spiel selbst misst.
- LRT (Load Removed Time, Echtzeit ohne Ladezeiten): Gemessen wird wie bei der Echtzeit, die Ladezeiten werden aber herausgerechnet.
Grafik als Text lesen
- Ein Lauf besteht aus den Abschnitten Spielen, Laden, Spielen, Laden, Spielen.
- RTA (Echtzeit): Der ganze Lauf zählt, Ladezeiten eingeschlossen.
- LRT (Echtzeit ohne Ladezeiten): Die Ladezeiten werden herausgerechnet.
- IGT (Spielzeit): die Zeit, die das Spiel selbst misst. An den Ladeabschnitten steht „offen“: Dazu macht die Grafik keine Aussage.
- Welche Zeit zählt, regelt die Bestenliste.
Nicht jedes Spiel bietet alle drei Werte, und welche Zeit zählt, regelt die Bestenliste je Spiel. Wie viel Zeit Ladezeiten ausmachen können, zeigt ein Beispiel: In einem Vergleichstest von PC-WELT (März 2025) dauerte das Laden eines Spielstands bei einem getesteten PC-Spiel 6 Sekunden von einer SSD, aber 63 Sekunden von einer klassischen Festplatte. Das ist, als müsste eine von zwei gleich schnellen Läufer länger an der Ampel warten: In reiner Echtzeit käme sie trotz gleicher Leistung später an. LRT lässt solche Ladezeiten außen vor. Welche der Zeiten zählt – Echtzeit, Echtzeit ohne Ladezeiten oder Spielzeit –, legt die Bestenliste fest.
Wie Speedruns geprüft werden
Eine Zeit ohne Nachweis ist nur eine Behauptung. Damit sie in einer Bestenliste erscheint, läuft die Prüfung in vier Schritten:
- Aufnahme: Speedrunner zeichnen ihre Läufe normalerweise auf. So lässt sich die Zeit im Nachhinein genau bestimmen, und andere können den Lauf überprüfen. Oft ist zusätzlich ein Timer im Video eingeblendet.
- Einreichung: Der Lauf wird mit Zeit, Kategorie und Link zum Video bei der Bestenliste des Spiels eingereicht, zum Beispiel auf speedrun.com.
- Prüfung: Moderatoren, also die Menschen, die eine Bestenliste betreuen, sehen sich die Einreichung an. Sie prüfen, ob der Lauf den Regeln der Kategorie entspricht und ob die Zeit stimmt.
- Ergebnis: Der Lauf ist entweder geprüft und erscheint in der Bestenliste, oder er wird abgelehnt. Bei speedrun.com steht bei einer Ablehnung eine Begründung.
Welche Nachweise nötig sind, legen die Regeln je Spiel fest. Manche Bestenlisten verlangen zusätzlich ein Video der Hände an Controller oder Tastatur, die sogenannte Handcam. Läufe ohne gute Tonspur werden häufig abgelehnt. Solche Vorgaben schützen vor manipulierten Läufen. Die verbreitetste Manipulation ist das Splicing: das Zusammenschneiden mehrerer Versuche zu einem scheinbar durchgehenden Lauf.
Die Sprache der Speedrunner
In Videos, Chats und Bestenlisten tauchen immer wieder dieselben Begriffe auf:
- PB (Personal Best): Die PB ist die persönliche Bestzeit in einer Kategorie, also die schnellste Zeit, die du selbst bisher geschafft hast.
- WR (World Record): Der WR ist der Weltrekord, die schnellste anerkannte Zeit einer Kategorie in der Bestenliste.
- Splits: Splits sind Zwischenzeiten: Ein Split-Timer hält fest, wie viel Zeit vom Start bis zum Abschluss eines Abschnitts vergangen ist. So lässt sich jeder Abschnitt mit früheren Läufen vergleichen. Deine Zwischenzeit nach der Hälfte war ein Split.
- Route: Die Route ist die geplante, möglichst schnelle Abfolge von Aktionen und Abschnitten durch ein Spiel, wie ein Fahrplan für den Lauf.
- Glitch: Ein Glitch ist ein Programmfehler im Spiel, den Speedrunner gezielt nutzen, etwa um Zwischensequenzen zu überspringen. Erlaubt ist das nur, wo die Kategorie es zulässt; mit dem Umgehen von Regeln in Online-Spielen hat das nichts zu tun.
- Sequence Break: Ein Sequence Break bricht die vorgesehene Reihenfolge auf: Spielabschnitte werden in anderer Folge gespielt als geplant oder ganz übersprungen.
- Reset: Ein Reset ist der bewusste Abbruch eines Versuchs, um sofort neu zu starten. So passen mehr Versuche in eine Spielsitzung. Dein Neustart im Mini-Lauf war ein Reset.
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- Ein Lauf führt von Start bis Ende und ist in die Abschnitte A, B, C und D geteilt.
- Am Ende jedes Abschnitts hält ein Split die Zwischenzeit seit dem Start fest.
- Die Anzeige vergleicht jeden Abschnitt mit der persönlichen Bestzeit (PB) an derselben Stelle.
- Beispiel: A und B sind schneller als die PB, C ist langsamer, D läuft noch.
- Die Zeiten in der Anzeige sind nur Platzhalter.
Speedrun-Marathons
Speedrun-Marathons sind Veranstaltungen, bei denen viele Speedrunner nacheinander ihre Läufe zeigen. Als größte Veranstaltung dieser Art gilt Games Done Quick in den USA, das zweimal im Jahr stattfindet. Die Läufe werden live gestreamt, unter anderem auf Twitch, dabei werden Spenden für gemeinnützige Organisationen gesammelt. Die Sommerausgabe 2024 sammelte für Ärzte ohne Grenzen, die einwöchige Winterausgabe im Januar 2026 für die Prevent Cancer Foundation.
Unsere Einschätzung: Wer sehen möchte, was aus einem solchen Anfang werden kann, findet in Marathons einen guten Einstieg, weil dort an einem Ort viele Spiele und Kategorien nacheinander zu sehen sind.
Wie geht es nach dem Mini-Lauf weiter?
Wenn dich der Mini-Lauf gepackt hat, führt der Weg zu einer echten Bestenliste so:
- Spiel und Kategorie ansehen: Schau dir die Bestenliste deines Spiels an und lies die Regeln: Welche Zeit zählt, welche Spielversion ist erlaubt, welcher Nachweis wird verlangt? Für den Anfang eignen sich aus unserer Sicht Kategorien mit überschaubaren Regeln, bei denen schnell klar ist, was zählt.
- Läufe anderer ansehen: Auf speedrun.com sind zu Läufen Videolinks hinterlegt. Übe die Route Abschnitt für Abschnitt, statt sofort komplette Läufe zu versuchen.
- Lauf aufnehmen: Läufe werden meist anhand eines Videos geprüft. Wenn dein Gerät eine Aufnahmefunktion mitbringt, kannst du später eigene Läufe aufnehmen; das hilft auch, eigene Fehler zu finden.
- Geduld haben: Resets gehören dazu. Eine neue PB entsteht aus vielen Versuchen.
Bevor du irgendwo einen Lauf einreichst, lies die Regeln der Kategorie vollständig. Ein Lauf, der gegen eine Vorgabe verstößt, kann abgelehnt werden, auch wenn die Zeit stimmt.