Mit Quizfragen lernst du besser, wenn du die Antwort selbst aus dem Gedächtnis holst, bevor du sie nachschaust, und danach die Erklärung liest. Die Forschung stützt vor allem das Abrufen und das verteilte Wiederholen; Fehler zu sammeln und später erneut zu beantworten ist unsere Empfehlung dazu. Dieser Beitrag zeigt, was die Studien sagen, wie du Übungsrunden gestaltest und wie eine kurze Beispielroutine aussieht. Garantien gibt es nicht: Die Studien untersuchten meist Lernmaterial, keine Quiz-Apps.
Warum Abrufen besser wirkt als Wiederlesen
Wer eine Antwort aus dem Gedächtnis abruft, übt genau das, was später gebraucht wird. Das untersuchten Roediger und Karpicke (2006): Studierende lasen kurze Textabschnitte. Danach schrieb eine Gruppe aus dem Gedächtnis auf, woran sie sich erinnerte, ohne Rückmeldung. Die andere Gruppe las den Text noch einmal. Fünf Minuten später erinnerte sich die Gruppe mit erneutem Lesen besser. Nach zwei Tagen und nach einer Woche behielt dagegen die Gruppe mehr, die sich selbst abgefragt hatte, obwohl die Wiederlesenden ihres Wissens sicherer waren.
Eine große Übersichtsarbeit (Dunlosky u. a., 2013) bewertete zehn Lerntechniken. Sich selbst abzufragen (Practice Testing) und das Üben über die Zeit zu verteilen (Distributed Practice) erhielten die Bewertung „hoher Nutzen“. Wiederlesen und Markieren bewerteten die Autoren dagegen mit „geringer Nutzen“.
Zur Einordnung: Die Studien arbeiteten überwiegend mit Lernmaterial wie Texten, Wortlisten und Fakten. Wie viel eine Quiz-App bringt, haben sie nicht untersucht, und wie viel du behältst, hängt von dir, dem Thema und dem zeitlichen Abstand ab. Die folgenden Regeln leiten sich aus diesen Ergebnissen ab. Sie sind unsere Empfehlung, kein Beweis.
Fünf Regeln für Übungsrunden
- 1. Erst antworten, dann nachsehen: Überlege dir die Antwort, vielleicht sprichst du sie leise aus, bevor du etwas antippst oder die Lösung aufdeckst. Formuliere bei Auswahlfragen zuerst deine eigene Antwort und vergleiche sie dann mit den Optionen.
- 2. Jede Antwort nachvollziehen, auch die richtigen: Lies nach jeder Frage die Erklärung. Gibt es keine, schlage die Antwort nach. Das ist wichtig, weil Auswahlfragen auch falsche Optionen einprägen können. In einer Studie (Butler und Roediger, 2008) erhöhte eine Rückmeldung, sofort oder später gegeben, die richtigen Antworten und verringerte die übernommenen Falschantworten. Die Autoren empfehlen deshalb Rückmeldung bei Auswahlfragen.
- 3. Fehler sammeln und wiederholen: Schreibe Fragen, die du falsch oder nur geraten hattest, getrennt von der richtigen Antwort auf, wie auf Karteikarten: vorn die Frage, hinten die Antwort in eigenen Worten. So kannst du die Antwort später wieder aus dem Gedächtnis abrufen. Beginne die nächste Runde mit genau diesen Fragen. So richtest du die nächste Runde auf deine bisherigen Fehler aus.
- 4. Das Üben über mehrere Tage verteilen: Mehrere kurze Runden an verschiedenen Tagen helfen beim Behalten mehr als eine lange am Stück. Das ist der Kern der Forschung zum verteilten Üben. Eine Meta-Analyse (Cepeda u. a., 2006) mit 839 Messungen aus 317 Experimenten in 184 Artikeln fand außerdem: Der günstigste Abstand zwischen den Lerneinheiten wird größer, je länger du etwas behalten willst. Feste Abstände nennen wir deshalb nicht als belegt.
- 5. Das Thema eingrenzen: Wähle ein Thema pro Woche, zum Beispiel Hauptstädte oder Spielegeschichte, statt „alles“. Auch das ist unsere Empfehlung.
Zwei Beispiele: Frage, Antwort, Erklärung
So kann eine Übungsfrage mit Erklärung aussehen. Beide Beispiele haben wir selbst formuliert. Die Fakten belegen die Angaben des australischen Parlaments und die Dokumentation von speedrun.com.
Beispiel 1: Geografie
- Frage: Welche Stadt ist die Hauptstadt von Australien?
- Antwortmöglichkeiten (erst nach deiner eigenen Antwort ansehen): Sydney, Melbourne, Canberra, Perth.
- Antwort: Canberra.
- Erklärung: Statt Sydney oder Melbourne wurde eine neue Hauptstadt geplant. Der Standort im Gebiet Yass–Canberra wurde 1908 festgelegt. Das Parlament eröffnete sein Gebäude in Canberra am 9. Mai 1927.
- Merkhilfe: Die Hauptstadt ist ein Kompromiss zwischen zwei Rivalen. Falsch getippt? Schreibe „Canberra, nicht Sydney“ auf deine Fehlerliste.
Beispiel 2: Gaming
- Frage: Was misst die Spielzeit (IGT) bei einem Speedrun?
- Antwortmöglichkeiten (erst nach deiner eigenen Antwort ansehen): die tatsächlich vergangene Zeit des Laufs, die Zeit, die das Spiel selbst misst, oder die Zeit ohne Ladezeiten.
- Antwort: Die Zeit, die das Spiel selbst misst.
- Erklärung: Die Dokumentation von speedrun.com unterscheidet drei Zeiten: Die Echtzeit ist die tatsächlich vergangene Zeit des Laufs, die Echtzeit ohne Ladezeiten lässt die Ladezeiten weg, und die Spielzeit (englisch „ingame“) ist die Zeit, die das Spiel selbst misst. Nicht jedes Spiel bietet alle drei Zeiten, und welche Zeit zählt, legt die jeweilige Bestenliste fest. Mehr dazu im Beitrag Speedrun erklärt.
- Merkhilfe: Die Spielzeit kommt vom Spiel, die Echtzeit von der Stoppuhr.
Eine Beispielroutine für acht Tage
Das ist ein Beispiel, kein belegter Idealplan. Passe Dauer und Abstände an dich an.
- Tag 1, etwa 10 Minuten: Wähle ein Thema und spiele eine Runde mit etwa zehn Fragen. Antworte zuerst im Kopf, sieh dann nach und lies die Erklärung. Notiere die Fehler.
- Tag 2: Beantworte nur die Fehlerfragen von Tag 1 noch einmal, aus dem Gedächtnis.
- Tag 4: Spiele eine neue Runde zum selben Thema, zuerst mit den Fehlerfragen, dann mit neuen Fragen. Notiere neue Fehler.
- Tag 8: Beantworte die Fehlerfragen der ersten Woche noch einmal. Was dann noch fehlt, bleibt auf der Liste.
Nach acht Tagen weißt du, welche Fragen sitzen. Wie viel du langfristig behältst, kann dir keine Studie vorhersagen.
Worauf du bei Quizspielen achten kannst
Nicht jedes Quiz ist zum Lernen gebaut. Hilfreich sind eine Erklärung nach der Antwort, die Möglichkeit, falsch beantwortete Fragen noch einmal zu üben, und die Wahl eines Themas. Zu welchen Spielen das passt, nennen die Anbieterangaben in unserer Quizspiel-Auswahl bisher nicht, und eigene Spieltests stehen noch aus.
Eine kurze Runde mit Erklärung zu jeder Antwort bietet der Quiz-Test: fünf Fragen rund ums Gaming, vier Antworten je Frage, ohne Zeitdruck. Er ist ein Einstieg zum Ausprobieren, keine Fragensammlung zum Lernen.